Früher mochte ich den Ausdruck „junger, vielversprechender Offizier“ sehr. Das klang nach Aufbruch: eine neue Generation, 28 Jahre alt und schon Oberst! Jung, nicht sowjetisch geprägt – also mit einem anderen Denken. Ich war damals überzeugt, dass das etwas Gutes sei. Dass junge Offiziere frischen Wind und Fortschritt bringen würden.
Aber mit der Zeit habe ich festgestellt: Das Alter allein sagt überhaupt nichts aus. Der „Sowjet im Kopf“ ist keine Frage des Geburtsjahres, sondern der Denkweise. Und manchmal ist ein 28-Jähriger genauso rückständig wie ein 60-Jähriger. Der Ältere hat wenigstens Lebenserfahrung. Er hat vieles schon hinter sich und lässt sich von vielem nicht mehr aus der Ruhe bringen. Eifersucht oder Geltungsdrang? Für ihn oft kein Thema mehr – er will einfach seine Ruhe und sein Gehalt.
Der Junge dagegen brennt – aber für die falschen Dinge. Er ist voller Ehrgeiz, aber hat noch nicht gelernt, ihn sinnvoll zu lenken. Er neigt zur Eifersucht, will sich beweisen, will kontrollieren – nicht mit Verstand, sondern mit Macht. Prinzipien? Hat er noch nicht entwickelt. Lebenserfahrung? Fehlanzeige. Oft weiß er gar nicht, was richtig oder falsch ist. Nicht einmal eine stabile Familie kann er führen – aber er soll Tausende Menschen kommandieren.
Da fragt man sich: Ist das überhaupt vernünftig? Wir alle haben uns über junge Gesichter gefreut, und nun zeigt sich: Die Gesichter sind neu, die Probleme die alten. Denn entscheidend ist nicht das Alter, sondern der innere Kern. Ohne Lebenserfahrung, moralisches Rückgrat und ein gewisses Maß an Reife bringt auch Jugend keinen Fortschritt.
Deshalb macht mich der Ausdruck „junger, vielversprechender Offizier“ heute nicht mehr froh – er lässt mich eher vorsichtig werden. Denn „vielversprechend“ bedeutet nicht immer „positiv in der Entwicklung“. Manchmal heißt es nur, dass jemand noch genug Zeit hat, um Schaden anzurichten.